3 Wochen Urlaub und es brennt

Drei Woche Urlaub habe ich bei meinen Verwandten in Chilliwack, nahe Vancouver, verbracht. Viel zu schnell ging dabei mal wieder die Zeit vorbei. Ob beim Wakeboarden mit meinen Cousinen oder auf dem Airchair, einem Stuhl, der auf ein Board montiert ist, unter dem eine schmale, lange Finne befestigt ist, auf der man, bei richtiger Technik, reiten kann. Klingt verrückt- ist es auch… und macht tierisch spaß. Ob bei der Weinprobe oder bei Bierproben in den zahlreichen Microbreweries. Ob beim Yoga oder einfach nur bei netten Gesprächen zusammenzusitzen. Bei allem hatte ich viel Spaß und es war eine gute Auszeit vom Radeln. Gerne wäre ich noch länger geblieben. Vielen Dank an alle Onkel, Tanten, Cousinen, Cousins, Großcousinen und Großcousins für die tolle gemeinsame Zeit!

Neben Verwandschaftsbesuchen ist aber auch so noch einiges passiert. Ich habe die Zahnkränze vorne und hinten nach 25500 km für die Schlussstrecke gegen Neue ausgetauscht, auch wenn ich glaube, dass ich mit dem hinteren Ritzel bis Alaska gekommen wäre. Meine Kamera hat leider den Geist aufgegeben. Das Motherboard hat einen Defekt und ein neues hätte mich 300 Euro gekostet mit einem Restrisiko, dass die Kamera danach vielleicht doch nicht 100% funktioniert. Für den Preis habe ich mir also eine günstige Kompaktkamera gekauft, die in Puncto Bildqualität natürlich nicht mit der Alten mithalten kann, aber ich hoffe, trotzdem ein paar brauchbare Schnappschüsse aus dem hohen Norden mitbringen zu können. Mal sehen, was ich aus der Kamera rausholen kann. (Das Rauschverhalten ist leider schon mal unterirdisch, selbst im niedrigen ISO Bereich. Aber man bekommt halt, wie so oft im Leben, nur was man bezahlt…)
Ach ja.…und British Columbia ist abgebrannt. Schon beim Besuch meiner Cousine in Kelowna, ca. 250 km östlich von Chilliwack hing alles voller Rauch. Die Situation ist im Laufe meines Aufenthaltes leider nicht besser geworden und so sind viele Abschnitte entlang meiner Route gesperrt und für viele Regionen wurde sogar eine Evakuierung angeordnet. Ein Durchkommen mit dem Fahrrad also nicht möglich, da auch überall Straßenkontrollen eingerichtet wurden. Also Plan B: Über das touristisch vermutlich ohnehin interessantere Vancouver Island bis an die Nordspitze der Insel und von dort mit der Fähre durch die Inside Passage zwischen Fjorden und Inseln nach Prince Rupert und von dort dann weiter mit dem Rad.

Und eben dort bin ich nun unterwegs. Genauer gesagt in Port Hardy, von wo morgen die Fähre nach Prince Rupert ablegt. Chilliwack habe ich vor genau einer Woche in Richtung Vancouver verlassen. Eine nette Stadt mit dem touristischen Gastown mit seiner Gasuhr, der Skyline am Wasser, vor der die Wasserflugzeuge zu Rundflügen oder zu einer der zahlreichen Inseln abheben. Untergekommen bin ich mal wieder bei einem Warmshower Host mit genialem Blick vom 20. Stock über das Meer, wo Frachtschiffe vor Anker liegen, die umgebenden Hochhäuser und den nahen Stanley Park mit der Lionsgate Bridge. Auf dem Balkon lassen wir den Abend nach dem Essen bei ein paar Bier und Weitblick ausklingen. Ein gesundes Frühstück am Morgen und weiter geht’s. Stanley Park, in dem Wald und Parkflächen sich abwechseln, vorbei an den berühmten Totempfählen, entlang der Promenade mit Blick auf die gegenüberliegende Skyline Vancouvers, über die Lionsgate Bridge und die Küste entlang bis zum Fährhafen Horseshoe Bay.

Übernachtung wieder Warmshower, diesmal mit Haus an einer Bucht mit Blick über eben jene und mit blutrotem Himmel zum Sonnenuntergang. Klingt gut, ist aber noch zu toppen! Nach gemütlicher Fahrt von 100 km entlang der Küste, bin ich am 2. Tag auf Vancouver Island bei Jane eingeladen. Wieder Haus am Wasser mit eigenem Gästehäuschen, zum Abendessen Lachs und als Abendprogramm eine Einladung ins Musical „Catch me if you can“ nach dem gleichnamigen Film und der wahren Geschichte des Frank Abignale Jr. Meine gute Hose sowie meine frisch gebügelten Hemden und die Ausgehschuhe hatte ich ganz tief in der Tasche verstaut, da ich nicht glaubte sie auf dem Weg nach Alaska noch häufig zu brauchen, aber für diesen Anlass habe ich sie gerne nochmal herausgeholt und es hat sich mehr als gelohnt. Regelrecht begeistert war ich von Gesang und Tanz des jungen Ensembles und von der Leidenschaft, mit der sie spielten. Ein toller, rundum gelungener Abend. Nach wieder mal gutem Frühstück bekam ich noch Sandwiches mit auf den Weg und für den Nachmittag waren Zimtschnecken in einer Bäckerei vorbestellt. Leider bekam ich einiges an Regen ab und als ich bei der Bäckerei ankam, hatte diese auch noch geschlossen. Jede Glückssträhne reißt wohl früher oder später mal… oder doch nicht. Auf der Veranda harrte ich eine Zeit lang aus, in der Hoffnung, dass die Besitzerin doch noch vorbei käme und tatsächlich öffnete sich nach einer halben Stunde doch noch die Tür. Die Zimtschnecken waren zwar verkauft, da ich nicht rechtzeitig bei der Bäckerei angekommen war, aber dafür war noch ein Stück Karottenkuchen da und die ältere Dame bot mir an in einer der Cabins zum Campingpreis zu übernachten. Das Angebot schlug ich natürlich nicht aus und so kam ich für 15 Euro zu einer heißen Dusche (ganze 30 Minuten, das tat gut) und einem mollig warm geheizten Häuschen (inkl. voll ausgestatteter Küche) während draußen der Regen nieder prasselte. Leider hatte ich einen Mitbewohner in der Hütte. Nach dem zu Bett gehen, hörte ich ein rascheln und trapsen… und im Lichte der Taschenlampe sah ich ein süßes kleines Mäuschen mit flauschigem Fell und großen Ohren, wie es flink umherhuschte und in und über meine Taschen hüpfte. So putzig und niedlich das süße Tierchen auch sein mag… es gibt eine Sache, die ich hasse. Und zwar, wenn jemand ungefragt an meine Sachen geht. Egal ob Mexikaner oder eine Maus. Flugs die Mausefalle geholt, die ich auf einem der Regale entdeckt hatte, mit einem Stückchen süßem Puffreis bestückt, Licht löschen und warten. Kaum 10 Minuten später höre ich es knuspern. Jeden Moment musste der Schlag kommen… aber nichts passierte. Licht an, Mausefalle gecheckt, Köder weg, Maus auch. Hm. Das Tier war nicht nur süß, sondern auch noch recht schlau. Also nochmal die Mausefalle bestückt, diesmal den Köder mit Klebeband befestigt, Licht aus und etwas unruhig geschlafen, immer mit einem Ohr lauschend, ob die Maus nicht doch wieder an meinen nun geschlossenen und hochgestellten Taschen nagen würde, bis um 3.10 Uhr am Morgen endlich das erlösende „Klack“ zu hören war. Ein kurzes Scharren auf dem Boden. Ein kurzer Check mit der Taschenlampe- Köder da, Maus da – und endlich konnte ich beruhigt und friedlich schlafen.
Weiter durch den Regen ohne nennenswerte Vorkommnisse, über viele Hügel immer durch den Wald, während viele Holzfällertrucks an einem vorbeiziehen. Neben Bergbau spielt die Forstwirtschaft in der Kanadischen Wirtschaft eine große Rolle und entsprechend zahlreich sind die Holzfällertrucks unterwegs. Am nächsten Tag dann etwas besseres Wetter, aber am Ende werde ich doch noch nass, bevor ich mich zu einem Cheesburger in einen Pub retten kann. Immerhin finde ich einen schönen Wildzeltplatz in Telegraph Cove direkt über der Bucht mit schöner Aussicht über die vorgelagerten Inseln und die riesigen Kreuzfahrtschiffe, die sich gelegentlich zwischen ihnen hindurchschieben. Wie Wild der Zeltplatz war, habe ich erst gemerkt, als ich zufällig in den Schwarzbären gelaufen bin, dessen Kothaufen ich zwar überall gesehen hatte, ich wusste also, dass er irgendwo in der Nähe sein musste, war aber doch überrascht, dass er nur 10 Meter neben dem Weg auf einem Stein saß und nur 50 m von meinem Zeltplatz entfernt. Blöderweise hatte ich meine Kamera nicht dabei und so lief ich schnell zurück zu meinem Fahrrad, um sie zu holen. Da hatte sich der Bär aber auch schon entschieden in die Büsche zu verschwinden, und so konnte ich kein schönes Bild schießen. Pech. Immerhin hat er mich in der Nacht in Ruhe gelassen. Mit den Taschen voller Essen kann es natürlich schon mal vorkommen, dass man nächtlichen Bärenbesuch bekommt, aber das wohl erst in einer anderen Nacht. So genieße ich fürs Erste die Natur, am Morgen aufzuwachen und in die großen dunklen Augen eines Rehkitzes zu schauen, das mit seiner Mutter direkt neben meinem Zelt nach Futter sucht, die zahlreichen Weißkopfseeadler, die Bären (ohne bisher ein gutes Bild bekommen zu haben) und die Orcas, die den unglücklichen Namen Killerwale nicht mehr los werden. Mit dem Tourboot muss ich zu ihnen hinausfahren, wollte ich sie aus der Nähe sehen. Zwar verabscheue ich Gruppentouren, habe es in diesem Fall aber nicht bereut. Neben einem wenig interessanten Buckelwal und ein paar Robben und Seelöwen, bekamen wir die Schwertwale zu sehen und das ist wirklich ein tolles Erlebnis. Die großen, wunderschönen, schwarz-weißen  Tiere, die durch den Film „Free Willy“ besondere Berühmtheit erlangt haben, sind wirklich toll anzuschauen, wie sie immer wieder aus dem Wasser poppen und im Familienverbund schwimmend richtig Spaß zu haben scheinen. Das ganze findet dann noch vor der schönen Kulisse der Inseln rings um Vancouver Island statt. Was will man mehr?

Es liegt also mal wieder eine ereignisreiche Reisewoche hinter mir, in der mal wieder so viel mehr passiert ist, als ich erwartet hätte und am Ende hat es sich als reisetechnischer Glücksfall entpuppt, dass es im Inland Kanadas brennt.
Nun geht es also mit der Fähre wieder zurück aufs Festland, nach Prince Rupert und von dort weiter Richtung Norden. Ein kleines, wenn auch nicht ganz ungefährliches Highlight erwarte ich noch, bis ich mich dann in ca. vier Wochen aus Fairbanks, Alaska wieder melde, falls ich zwischenzeitlich nicht von einem Bären gefressen wurde. Bis dahin viel Spaß mit den Schnappschüssen der letzen Woche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 thoughts on “3 Wochen Urlaub und es brennt”

  1. ein Bärenfoto wäre schon toll,aber vorher genug Lärm machen, dass er weiß, wo du bist.
    Ich bin gespannt auf deinen nächsten Bericht.
    Liebe Grüße Dietlind

  2. Bin leider erst spät auf Deine Seite gestossen. Hochachtung für Deine Leistung und das Du als als „lonesome Rider“ unterwegs bist. Und ein bisschen neidisch bin ich auf Deine vielen schönen Erlebnisse, die Deine Berichte und Fotos wahrscheinlich nur teilweise wiederspiegeln können. Ich wünsche Dir für die letzten Meter noch viele sonnige Kilometer und komm immer gesund und heile an.
    Viele Grüße Jörg

    1. Vielen Dank! Die Erlebnisse sind tatsächlich einmalig und können nie alle wiedergegeben werden.